Zürich, den 15.01.2015: Die Schweizer Nationalbank (SNB) gab überraschend bekannt, den Mindestkurs von 1.20 Franken je Euro aufzuheben. Damit hatte keiner der von Bloomberg befragten Ökonomen gerechnet und noch einige Tage zuvor bekräftigte die SNB an dem Mindestkurs von 1.20 festzuhalten. Als zusätzliches Mittel, um den Franken weiter zu schwächen, führte die Nationalbank am 17.12.2014 sogar einen Negativzins von 25% ein. Dies führte prompt zu einer Kursreaktion von 1.199 auf 1.20956 (EURCHF), die allerdings nicht lange anhielt.

Schweizer Nationalbank SNB hebt Mindestkurs zum Euro auf

Schweizer Nationalbank SNB hebt Mindestkurs zum Euro auf

 

Während der letzten 3 Jahre kaufte man immer wieder Euro, um das Wechselkursverhältnis über 1.20 Franken je Euro zu halten. Nicht zu vergessen ist, die sich immer weiter aufblähende Bilanz der SNB in diesem Zusammenhang (Devisenreserven in ausländischen Wertpapieren, vor allem Staatsanleihen aus Deutschland und Frankreich (Ende 2014 495 Mrd. Franken). Im November gab es ein Referendum, ob die SNB nicht 20% ihrer Bilanz in Gold halten müsse (die Mehrheit lehnte diesen Vorschlag jedoch ab).

SNB: Notenbankgeldmenge; Quelle www.snb.ch

SNB: Notenbankgeldmenge; Quelle www.snb.ch

 

Die SNB hatte mit ihrer Wechselkurspolitik (Abwertung des Schweizer Franken) die Schweizer Wirtschaft geschützt, um deren Wettbewerbsfähigkeit aufrechtzuerhalten. Die aktuelle Aufwertung des Franken verschlechtert nun die Situation für Schweizer Unternehmen der Export- und Zulieferindustrie, sowie für den Tourismus. Laut dem Chefökonom des Wirtschaftsverbands Economiesuisse, Rudolf Minsch wäre ein Wechselkurs von 1.15 für die Wirtschaft noch machbar, bei 1.05 würde es zu einem größeren Einbruch kommen.

 

Marktreaktion

Nachdem die Meldung kam, rutschte der Dax bis auf 9576 Zähler ab (etwa 330 Punkte), um sich im Anschluss schnell wieder zu erholen. Die Schweizer Börse reagierte mit Verlusten, da der aufwertende CHF den Exporten schadet.

Schweizer-Notenbank-SNB-hebt-Mindestkurs-auf-Dax

Dax: Schweizer-Notenbank SNB hebt Mindestkurs auf

 

Der Euro verlor moderat gegenüber dem Dollar auf bis zu 1,156 EUR/USD.

 

Der Schweizer Franken wertete gegenüber dem EUR stark auf (kurzzeitig war EURCHF bei etwa 0,85) und pendelte sich im Laufe des Tages im Bereich um 1,03 EUR/CHF ein.

Schweizer-Notenbank-SNB-hebt-Mindestkurs-auf-EURCHF; Quelle www.onvista.de

Schweizer-Notenbank-SNB-hebt-Mindestkurs-auf-EURCHF; Quelle www.onvista.de

 

Der Franken gilt als sicherer Hafen, in welchen trotz der von der SNB festgelegten Negativzinsen viele flüchten. Aufgrund des weltweiten Gelddruckens sind die meisten Währungen kaum das Papier Wert auf dem sie stehen. Banken haben ein Girokonto bei der Nationalbank, worüber auch die Geldvermehrung durch Kreditvergabe stattfindet. Die Notenbank hat natürlich Interesse, dass diese Gelder in die Wirtschaft weiterfließen und nicht von den Banken auf diesen Girokonten bei der SNB geparkt werden. Auch “Wertschriften oder Fremdwährungen der Banken werden gegen Geld der Nationalbank getauscht”. Inwieweit die Anhebung des Negativzinses von 0,25% auf nun 0,75% für Beträge über 10 Millionen Franken (Freibetrag) Wirkung zeigen wird, bleibt abzuwarten. Allerdings könnten die Banken die ihnen von der SNB auferlegten Negativzinsen ggf. auch an Privatkunden weitergeben. Jordan sagte dazu jedoch, dass er “davon ausgeht”, dass es keinen Sinn für Banken macht, von Kleinsparern Negativzinsen zu verlangen.

 

Da man in USA bereits wieder über Leitzins-Anhebung spricht, während man im Euro-Raum den unbegrenzten Ankauf von Staatsanleihen ankündigt, hatte der Euro bereits an Wert verloren, weil die Anleger Kapital nach USA verschieben. Aber auch das Rechtsgutachten des EuGH vom 14.1.2014 zum OMT-Programm (siehe Artikel) der EZB könnte die SNB in Bedrängnis gebracht haben. Der Chef der SNB, Thomas Jordan wies dennoch “ausdrücklich” darauf hin, dass die Entscheidung ohne Marktdruck erfolgte 😉

 

Bei genauer Betrachtung war die SNB-Entscheidung allerdings doch nicht so unerwartet wie viele denken! Auch Ausschläge in der Volatilität (3 month Implied Volatility) im August 2014 ließen die steigende Angst bzgl. der Währungs-Optionen erkennen (Ende August war EURCHF bereits mehrere Monate relativ stark Richtung Mindestkurs gefallen. Ähnlicher Druck nahe der Interventionsschwelle herrschte bereits im 2. und 3. Quartal 2012). Doch diesmal hatte wohl die Kosten-Nutzen-Rechnung der SNB nicht mehr gestimmt. Durch die aktuelle Entscheidung dürfte die SNB rund 60 Mrd. Franken verloren haben.

 

Grundsätzlich gilt, wie man auch an der Wechselkursfestsetzung des Britischen Pfund 1990 an das europäische Währungssystem (EWS) sah, dass der Markt langfristig stärker ist als jede Notenbank (Wikipedia). Die Intervention endete zwei Jahre später, am 16 September 1992 mit der Herausnahme des GBP aus dem EWS (Black Wednesday). Ausgelöst durch George Soros Spekulationen!

 

Der EURO befindet sich aktuell bereits auf einem 9-Jahres-Tief. Dieser Trend könnte sich durch neue Informationen bei der nächsten EZB Sitzung am 22.1.2015 noch fortsetzen. Wobei der Markt schon erwartet, das die EZB nach den ganzen Ankündigungen um QE nun endlich liefern wird. Sollte dies nicht der Fall sein, könnte es sehr turbulent werden.